Treffen der ehemaligen 13. Hundertschaft zur "Geländeübung Spitzingsee - Schwarzenkopfhütte" vom 13.-15. Juli 2012

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Vor 53 Jahren wurden wir in Coburg auf dem "Schweißhügel" Lauterberg von unseren damaligen Ausbildern zu Höchstleistungen gezwungen. Trotz fortgeschrittenem Alters (wir haben jetzt alle die 70 überschritten) unterzogen wir uns im Juli 2012 freiwillig einer "Geländeübung" in einer Höhe von bis zu ca. 1550 m ü. M. im Mangfallgebirge.

Teilnehmer:
Aulbach Horst, Bayer Rudolf, Diehm Gerhard, Dobner Helmut, Dorfner Alfons, Feil Günter, Fesenberg Peter mit Gattin Margarita, Gabler Anton, Geis Werner, Küfner Christian, Krug Manfred, Lieberwirth Manfred, Petrich Hermann, Praschil Günter, Ruiner Wilfried, Schlecht Günter, Walter Hermann.

Programmablauf:

1. Tag (Freitag, 13.07.2012):
Anreise der 17 Kameraden und einer "Kameradin" und Eintreffen gegen Mittag in der Alten Wurzhütte am Spitzingsee. Nach freudiger Begrüßung (Händeschütteln und Umarmungen) Mittagessen und anschließende kleine Spaziergänge am und rund um den Spitzingsee.

Unser Gepäck wird am Parkplatz an der Taubensteinbahn von einem Fahrzeug der Bayer. BePol. übernommen und zur Schwarzenkopfhütte, unserem Quartier für die kommenden Tage, hochgefahren. Wir entschließen uns, nicht die Bergbahn zu benutzen, sondern gehen zu Fuß über die Fahrstraße zur Schwarzenkopfhütte.

Dort angekommen stellen wir fest, dass "Hütte" etwas untertrieben ist. Die Schwarzenkopfhütte ist ein massiv gemauertes Berghaus in der ca. 85 Personen relativ komfortabel in Zwei- und Mehrbettzimmern untergebracht werden können. Es dient vorwiegend zu Fortbildungsseminaren der Bayer. Polizei und kann zu bestimmten Zeiten von Polizeiangehörigen an den Wochenenden gegen Bezahlung privat genutzt werden. Da wir alle einmal (wenn auch vor über 50 Jahren) bei der Polizei -sprich Bundespolizei BGS- waren, ist dies kein Problem. Außerdem waren einige mit dabei, die bis zu ihrer Pensionierung als Polizeibeamte ihren Dienst verrichtet hatten.

Wir haben Halbpension (Abendessen und Frühstück) und für unsere abendlichen Zusammenkünfte steht uns ein gemütliches Kaminstüberl zur Verfügung, in dem wir ungestört unserer Leidenschaft, dem Singen von alten und bekannten Liedern, nachkommen können. Für durstige Kehlen sorgt ein kleiner Kantinenbetrieb für Abhilfe.

Und so haben wir, wie auch schon in den vergangenen Jahren, diesen Abend genossen, bei Bier und Wein und bei angeregten Gesprächen. Besonders erwähnt sei noch, dass wir drei neue Kameraden und eine Frau in unseren Reihen begrüßen durften. - Werner Geis und Christian Küfner, zwei ehemalige BGSler, die in Ebersberg bzw. Poing zusammen mit unserem leider erst vor kurzem verstorbenen Franz Roming Dienst verrichtet hatten und die wir bei Franz Romings Beerdigung erstmals trafen und wir dabei sofort den Eindruck hatten, dass diese beiden zu uns passen könnten. Auf Nachfrage, ob ihrerseits Interesse an unseren Aktivitäten bestehen würde, kam spontan die Antwort: "Selbstverständlich gerne!"

Der dritte "neue" Kamerad, den wir in unseren Reihen begrüßen durften, war in Wirklichkeit kein "Neuer". Es war Peter Fesenberg, der vor nunmehr über 52 Jahren (1960) ebenfalls in Coburg bei der 13. Hu. seinen Dienst antrat und den einige von uns noch aus der Zeit der Wachhundertschaft in Bonn kannten. Nach seinem Ausscheiden aus dem BGS war er als Lehrer und u.a. auch als Entwicklungshelfer im sog. "Goldenen Dreieck" tätig. Begleitet wurde er zu unserem Treffen von seiner kleinen, reizenden Ehefrau, die sich weitgehend von unseren "Liederabenden" fernhielt; - sich aber, was man ihr nicht zugetraut hatte, als routinierte und begeisterte Berggeherin entpuppte und sichtlich den Aufenthalt in den Bergen genoss.

2. Tag (Samstag, 14.07.2012):
Wie der Wetterbericht schon vorher angekündigt hatte, war dieser Tag leider total verregnet. Unser vorher festgelegtes Programm, Fahrt auf den Wendelstein, fiel buchstäblich ins Wasser. Deshalb entschlossen wir uns, den Tag in der näheren Umgebung zu verbringen.

Beim Marsch zur Schönfeldalm wurden wir immer wieder von Regenschauern überrascht, so dass größere Aufstiege wenig Sinn machten. Somit begab sich der größte Teil der Kameraden in die Hütte und machte es sich dort gemütlich.

Einige wenige nahmen aber den Kampf mit den Naturgewalten auf sich und erklommen trotz Regen und häufigen Sturmböen den Taubenstein und einige benachbarte Gipfel. Unter diesen "Wettererprobten" befand sich auch, wie schon erwähnt, unsere neue "Kameradin" Margarita Fesenberg, der dieses Wetter offensichtlich überhaupt nichts ausmachte.

Am späten Nachmittag traf man sich wieder in unserer Schwarzenkopfhütte, wo eine umsichtige Hüttenwirtin bereits die Sauna eingeheizt hatte, dessen Angebot wir sofort dankbar annahmen. Der Abend in unserem "Stüberl" verlief diesmal etwas ruhiger. Vorwiegend das Gespräch wurde gesucht, denn es gab nach so langer Zeit seit unserem letzten Treffen vieles zu Berichten. Aber auch die Witzeerzähler fanden ihre Zuhörer.

3. Tag und Abreise (Samstag, 15.07.2012):
Nach dem Frühstück Aufbruchstimmung. Unser Gepäck wird wieder nach unten gefahren.Wir gehen in kleinen Gruppen zu unseren Fahrzeugen, die am See geparkt waren. Nach kurzer Lagebesprechung fahren wir im Konvoi nach Schliersee, parken dort unsere Pkws und gehen zu Fuß durch den Ort Schliersee zum dortigen Friedhof, um unseren im Jahre 2004 verstorbenen Kameraden Robert Spring am Grab zu besuchen.

Robert, auch ein Mann der Ersten 13. Hundertschaft, war Hauptmann der Gebirgsschützen und ein geachteter Mann weit und breit. Seine Beerdigung ist uns noch in guter Erinnerung. Ein Heer von Gebirgsschützen-Abordnungen aus dem gesamten Alpenraum Bayerns und dem benachbarten Österreich hatte sich damals mit ihren Fahnen und Gewehren eingefunden, um ihn mit Salut am Grabe zu verabschieden.

Mane Krug hatte unseren Grabgang organisiert und das Kommando übernommen. "Schnur" Helmut Dobner packte seine Trompete aus und blies die Melodie vom "Guten Kameraden". Ein höchst ergreifender Moment, bei dem verstohlen einige Tränen aus den Gesichtern gewischt wurden.

Da bekannt geworden war, dass sich unweit von Robert Springs Grab auch die letzte Ruhestätte vom explizit in Oberbayern legendären "Wildschütz Jennerwein" befindet, ging man etwas von Neugierde getrieben auch dort hin. Fotoapparate kamen zum Einsatz, um diese historische Stätte im Bild festzuhalten.

Zur Erklärung für "Nichtwissende" eine kurze Erläuterung zu den Hintergründen: Georg Jennerwein musste miterleben, wie sein Vater von königlichen Jägern als Wilderer erschossen wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm er Gelegenheitsarbeiten als Holzknecht an, was für den Lebensunterhalt jedoch kaum ausreichte. Er begann zu wildern. Er jagte unerlaubt in königlichen Wäldern um den Schliersee, im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Gejagt von königlich-bayerischen Forstbeamten, wurde seine Leiche am 15. November 1877 im Wald am Bergkamm nördlich der Bodenschneid in den Schlierseer Bergen, der auch den Namen "Peißenberg" trägt, gefunden. Die Begleitumstände waren eigenartig: Die rechte Zehe steckte im Abzug seines Gewehres und der Unterkiefer war zerschmettert. Ein Teil der Wange mit dem rechten Schnurrbart hing in den Ästen einer Fichte. Im Rücken befand sich eine Schussverletzung. Eindeutige Hinweise, hier sollte ein Suizid vorgetäuscht werden.

Die Ermittlungen ergaben, dass er bei der Jagd am 6. November 1877 von dem Jagdgehilfen Josef Pföderl, einem Kriegskameraden, ertappt und erschossen worden sei. Dieser bestritt die Tat und wurde wegen Überschreitung seiner Befugnisse zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Tötungsabsicht unterstellte das Gericht dem Angeklagten nicht. Als Tatmotiv kam Eifersucht in Frage, denn Georg Jennerwein war ein bekannter Weiberheld, der im Wirtshaus oft damit prahlte, dass er auch mit der Freundin von Josef Pföderl "gschnagselt" habe. Auch der Jäger Simon Lechenauer wurde als Täter verdächtigt, der wohl auch Grund zur Eifersucht hatte.

Durch die mysteriösen Begleitumstände seines Todes und vor allem durch die Schussverletzung im Rücken wurde der Wildschütz Jennerwein zu einer Legende und Symbol zur Auflehnung gegen die Obrigkeit. Von einem unbekannten Verfasser existiert ein Volkslied, beginnend mit der Zeile: Ein stolzer Schütz in seinen schönsten Jahren, das bereits kurz nach dem Tod des Jennerwein zu seiner Verklärung als Volksheld beitrug.

Nach dem Gräberbesuch allgemeine Verabschiedung mit dem Versprechen, unsere Treffen weiterhin zu pflegen, - auch wenn das Wetter nicht immer berechenbar ist. Positive Rückmeldungen ermuntern zum Weitermachen, bis der Letzte das Licht ausmacht.

Euer Fonse (Jimmy)



 
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Ein besonderer Dank gilt wieder unseren Kameraden Fonse Dorfner und Manne Krug, ohne deren großes Engagement diese Veranstaltung nicht zustande gekommen wäre.